Nahrungsquellen für Wildbienen
Oder - ohne Mampf kein Kampf…
Nachdem es hier schon länger keinen neuen Beitrag mehr gab, möchte ich endlich einmal nachliefern, worauf ich im Pflanzenshop schon länger hinweise. Einen Überblick über die Nahrungsquellen unserer Wildbienen.
Wie immer werde ich versuchen nicht allzu weit auszuholen und mich auf das Wesentliche zu beschränken. Am Ende stehen jedoch auch wieder die zugehörigen Quellenangaben, so dass ihr euch (bei tiefer gehendem Interesse) noch weiter einlesen könnt.
Grundsätzlich zu unterscheiden sind vier Nahrungsquellen. Drei davon werden von Blüten produziert, nämlich Nektar, Pollen und Öle. Die Vierte findet sich als Ausscheidung z.B. an verschiedenen Läusen, Zikaden und Blattflöhen – der so genannte Honigtau. Fangen wir mit Letzterem an, da diese Nahrung relativ schnell erklärt ist.
Honigtau
Er wird vor allem von Honigbienen, teilweise aber auch von einigen Hummelarten gesammelt, als Alternative zum Blütennektar. Oder vielleicht auch zur Abwechslung, wer weiß!? Wir wollen ja auch nicht jeden Tag das Gleiche futtern…
Er wird (wie oben kurz erwähnt) von verschiedenen, blattsaugenden Insekten produziert. Wobei „produziert“ eine nette Umschreibung ist. Die Insekten stechen die Blätter von Pflanzen an und nehmen deren Saft auf. Diese Pflanzensäfte enthalten, unter Anderem, Aminosäuren und sehr viel Zucker. Die Aminosäuren werden von den Insekten aufgenommen und verwertet, den Zucker benötigen sie größtenteils nicht, daher wird er ausgeschieden.
Kurz und vereinfacht gesagt: Honigtau ist Insektenkacke!
Lustiger Weise wird daraus natürlich auch Honig hergestellt. Welcher dann meist als Tannen- oder Waldhonig im Glas landet und von uns gegessen wird. Lecker, oder? 😉
Nektar
Ich bezeichne ihn gerne als „Treibstoff“ da er vor allem von den fertig entwickelten Bienen aufgenommen wird. Weibchen wie Männchen ernähren sich nicht ausschließlich aber in erster Linie von Nektar. Er bildet auch die Grundlage für unseren beliebten Honig – wahrscheinlich deshalb ist er wohl die bekannteste Bienennahrung überhaupt.
Nektar wird jedoch nicht nur als „Erwachsenen-Nahrung“ genutzt. Die weiblichen Bienen mischen ihn teilweise auch dem Pollen zur Fütterung ihrer Larven bei, wobei das Mengenverhältnis von Nektar und Pollen, je nach Bienenart, stark variiert.
Einige Arten nutzen Nektar auch als Klebstoff. Sie mischen ihn unter den Lehm den sie zum Verschluss Ihrer Brutröhren und auch zum Bau der Brutzellen und deren Trennwände sammeln.
Interessant ist es teilweise die Bienen bei der Nektaraufnahme zu beobachten. Die Rüssellänge der Wildbienen variiert, je nach Art, zwischen wenigen Millimetern und über zwei Zentimetern! Bei manchen Blüten reicht der Rüssel einfach nicht bis an den Nektar. Klassisches Beispiel ist die Akelei; an ihr lässt sich der „Nektarklau“ von kurzrüsseligen Hummeln sehr gut sehen. Der Nektar verbirgt sich am Ende der langen Sporne. Während der Blüte sieht man am Ende der Sporne oft Löcher, diese werden z.B. von Erdhummeln reingebissen um doch noch an den Nektar zu kommen, den sie ansonsten nicht erreichen.
Pollen
Er dient in erster Linie als Babynahrung! Pollen ist ein sehr guter Eiweiß-Lieferant und enthält dazu auch noch eine Menge an Fetten, Stärke, Vitaminen und Mineralien. Ohne ihn keine Larven und ohne Larven keine Bienen! Vielleicht etwas dramatisch formuliert, ist aber so.
Zudem wird der Pollen auch von den Imagines, Männchen wie Weibchen, gefressen. Wobei er bei den Weibchen eine wichtige Grundlage zur Eiproduktion darstellt.
Jetzt fällt es mir tatsächlich schwer Informationen weg zu lassen, da ich sie einfach unheimlich interessant finde. Allerdings sind sie nicht unbedingt wichtig wenn es um die Gestaltung unserer Gärten und die Auswahl der Pflanzen geht… Ok, also – ich schneide sie an und ihr könnt (mit Hilfe der Quellenangaben) bei Interesse selbst weiter forschen.
Unterschiedliche Wildbienenarten heißt auch, unterschiedliche Arten den Pollen zu sammeln und zu transportieren. Sieht oft nicht nur hervorragend aus, wenn man weiß welche Arten wie sammeln bzw. transportieren hat man so auch schon eine Bestimmungshilfe!
Jetzt zur eigentlichen Krux mit dem Pollen.
Im Gegensatz zum Nektar, der von jeder Biene an jeder Pflanze (welche Nektar zur Verfügung stellt – machen nämlich auch nicht alle) gesammelt wird, gibt es beim Pollen Spezialisierungen. Um es nicht ZU kompliziert zu machen, bleiben wir bei der einfachen Trennung von polylektisch und oligolektisch. Die Grenzen sind hierbei, wie so oft, fließend.
Weibchen polylektischer Arten sammeln an vielen verschiedenen, gerade vorhandenen Blüten. Auch bei Ihnen gibt es Vorlieben, jedoch sind sie nicht auf bestimmte Planzengattungen oder –familien angewiesen.
Ca. ein Drittel der Weibchen unserer heimischen Arten ist jedoch oligolektisch, und für die kann es in unserer aufgeräumten Landschaft teilweise ganz schön eng werden! Manche Arten beschränken sich beim Sammeln ihres Pollens auf eine bis mehrere Gattungen einer Pflanzenfamilie, z.B. Osmia leaiana (Distel-Mauerbiene) - sie ist spezialisiert auf Korbblütler und bevorzugt hier u.a. Kratzdisteln, Flockenblumen, Kletten, Habichtskräuter, Wegwarte…
Andere Arten nehmen es noch genauer. Sie sind streng oligolektisch auf eine bis mehrere Arten der gleichen Gattung. Als Beispiel nehmen wir einmal Osmia adunca. Sie ist spezialisiert auf Raublattgewächse und sammelt ihren Pollen ausschließlich am Natternkopf! Sie synchronisieren sogar Ihre Flugzeit mit der Blütezeit der Natternköpfe.
Wenn man sich einmal die oligolektischen Arten anschaut fällt eines sehr schnell auf: Sie sind spezialisiert auf unsere eigenen, heimischen Arten (eigentlich logisch) – die heutzutage dummerweise oft als „Unkräuter“ angesehen werden...
Ich glaube, das kann ich einfach so stehen lassen, oder!?
Öle
Bei uns in Europa produzieren genau drei Pflanzen fette Öle anstatt Nektar – der Pfennig-Gilbweiderich, der Gewöhnliche Gilbweiderich und der, in Gärten recht verbreitete, Drüsige Gilbweiderich. In anderen Teilen unserer wunderbaren Welt gibt es davon deutlich mehr.
Pflanzen mit einem solchen „Alleinstellungsmerkmal“ haben natürlich auch ihre ganz eigenen Bienen 😉 In dem Fall sind es (für Deutschland) die zwei Schenkelbienen-Arten Macropis europaea und Macropis fulvipes. Die Weibchen sind streng oligolektisch auf Gilbweiderich und sammeln auch die Öle zum Auskleiden Ihrer Brutzellen.
Sooo… Ich hoffe, dass es nicht zu viel Input war, jedoch ausreichend um die Abhängigkeit unserer Wildbienen von unseren heimischen Pflanzenarten verstehen. Noch ein kurzes Wort zu den Pflanzen im Shop. Ich versuche hier grundsätzlich die Wildarten anzubieten. Zudem schreibe ich, wenn es diese Infos gibt, dazu wie viel Nektar und Pollen (Skala 0 bis 4) eine Pflanze zur Verfügung stellt. Wobei das tatsächlich nur als Mini-Orientierung für komplett Orientierungslose dienen soll. Wenn ihr diesen Blog gelesen habt könnt ihr euch selbst vorstellen, wie viele andere Faktoren bei der Auswahl eurer Gartenpflanzen noch eine Rolle spielen.
Jetzt noch die Quellenangaben und dann wünsche ich euch viel Spass dabei euren Garten über den kommenden Winter neu zu planen oder auch nur einzelne Lücken mit ausgewählten Pflanzen aufzufüllen.
Links
https://www.wildbienen.info/index.php
Die Website von Paul Westrich, einer der führenden Wildbienenexperten Deutschlands
https://wildbienen.de/index.htm
Die Website von Hans-Jürgen Martin und für mich eine der hilfreichsten Seiten überhaupt
Bücher
Bienen Mitteleuropas / Felix Amiet, Albert Krebs / Haupt Verlag / ISBN 978-3-258-08104-5
Die Wildbienen Deutschlands / Paul Westrich / Verlag Eugen Ulmer / ISBN 978-3-8186-0880-4