Gartenumgestaltung

(Teil zwei)

Nachdem der alte Garten "abgerissen" war, kam die Neugestaltung...

Bevor es an die neue Einteilung und das Bepflanzen ging machte ich allerdings noch Jagd auf Winden! Gefühlt habe ich mich einmal quer durch den Garten gebuddelt. Realistisch gesehen waren es vor allem zwei oder drei Hotspots an denen ich (ungelogen!) meterlange Wurzeln der Zaunwinde ausgegraben habe. Da jedes Mini-Fitzelstückchen von Windenwurzel wieder austreibt, muss ich allerdings ziemlich gründlich gewesen sein. Ja, es gibt noch Zaunwinden im Garten – allerdings hält sich das (im Gegensatz zum Anfang) schwer in Grenzen. Es sind nur zwei Stellen und die lassen sich kontrollieren. Schön sind sie ja und auch für diverse Insekten (es gibt sogar einen eigenen Nachtfalter, den Windenschwärmer**) wichtig, aber Winden können im Garten wirklich überhand nehmen und alles Andere unter sich begraben.

Als der Garten „sauber“ war,  konnte es mit dem "Hübsch-Machen" losgehen. Geplant was wohin sollte, wie die Beete und Wege aufgeteilt werden etc. hatte ich schon Wochen vorher. Theoretisch. Jetzt kam die Praxis.

Als Erstes zogen die Heckensträucher (und drei Flieder) ein. Sie sollten eine Grenze zur Obstwiese bilden, gleichzeitig etwas Schatten spenden und als Nahrungsquelle und Nistmöglichkeit für Vögel dienen. Also war mir wichtig: heimische Gehölze! Nur die erfüllen das Kriterium „Nahrungsquelle“ zuverlässig – für Vögel und Insekten. Meine Wahl fiel auf den Weissdorn, die Eberesche, die Schlehe, das Pfaffenhütchen und den Holunder. Die Flieder sind rein egoistischer Eigennutz – ich liebe den Fliederduft!

Die ersten Sträucher für unsere Vogelschutzhecke werden gepflanzt
Wege abstecken im neuen Garten. Das geht auch mit einfachen Hilfsmitteln wie Schnur und Bambusstecken

Dann wurden die Wege abgesteckt, mit Hilfe meines fleißigsten Garten-Heinzelmädchens (meiner Mams), Bambusstecken und Schnur – es sah unglaublich professionell aus. Die Wege habe ich ca. 25 bis 30cm ausgehoben und dann mit Splitt aufgefüllt. In den Splitt kamen Platten aus Granit-Abfallstücken die anschließend nur noch mit Sand verfugt wurden. Hebt bis heute erstaunlich gut. In den Fugen wächst mittlerweile Moos, dass über den Winter fleissig von unseren Amseln wieder entfernt wird, Pflanzen die sich über Rhizome vermehren drücken auch ab und zu durch den Splitt von unten durch – aber insgesamt ist es relativ „wartungsarm“. Nachsanden muss ich die Fugen allerdings ab und zu, das ist aber recht schnell erledigt. 

Zwischen den Beeten habe ich bisher „Rollwege“ liegen. Ca. 30cm breite Dielenstücke die auf zwei Gurten befestigt sind und einfach ausgerollt werden können. Ganz ehrlich – war ne Sch…idee!
Die Biester liegen nie gerade, durch die Bodenfeuchtigkeit wölben sie sich, sie verrotten schneller als gedacht und bieten ein hervorragendes Versteck für Schnecken. Ich werde sie Stück für Stück ersetzen. Neuer Plan: Wege aus Hackschnitzel. Dafür muss ich jedoch erst noch die Beete einfassen (um zu vermeiden, dass Beet-Erde und Hackschnitzel ein Happening feiern) was bisher erst zum Teil passiert ist. Das gibt dann eventuell einen neuen Beitrag.

Die Granitreste wurden nur in Splitt gelegt und mit Sand ausgefugt
Neu angelegte Gartenbeete. Hier soll einmal das Gemüse wachsen
man muss nicht alles an einem Tag machen. Unsere Wege wuchsen innerhalb eines Jahres
Schon im ersten Sommer sah der Garten toll aus. Die Natur macht das schon

Die Bepflanzung war (und ist es teilweise bis heute) die nächste Herausforderung.
Im Inneren des Gartens sind (bzw. waren) elf kleine Gemüsebeete, die in Mischkultur und im rotierenden System bepflanzt werden. Eingerahmt wird der Garten von einem durchgehenden Beet von 1 bis 2,5m Breite. Hier wachsen Stauden, mehrjährige Kräuter wie z.B. Rosmarin und Currykraut, der Rhabarber und verschiedene Beeren. Zwei der Gemüsebeete sind mittlerweile auch den Beeren zum Opfer gefallen. Man kann einfach nicht genug Beeren im Garten haben, oder!?
Zudem mussten die Himbeeren gezwungener maßen umziehen – die ursprünglich seitlich gepflanzten Sträucher bekamen Wurzelfäule… 
 

Den Mittelpunkt bildet ein rundes Beet mit Rosen und Lavendel, eingerahmt von wiederum vier Beeten mit mehrjährigen Kräutern und Stauden. Gerade die mehrjährigen Bepflanzungen stellen für mich eine kleine Herausforderung dar. 

Gut, das Gemüse teilweise auch – das liegt aber eher daran, dass ich fünf Tage die Woche von 09.00 bis 18.30 Uhr arbeite und sowohl die Erntezeitpunkte als auch die Nachsaat dadurch oft nicht auf die Reihe bekomme. Wenn dann, in den freien Stunden oder am Wochenende, dass Wetter nicht mitmacht komme ich zeitweise nicht mehr hinterher. 

Schwalbenschwanz-Raupe; Papilio machaon ist auf Doldenblütler wie den Fenchel angewiesen
Es ist immer wieder überraschend wie schnell ein Garten aussieht, als ob er schon Jahre alt wäre
Die Beete rotiere jedes Jahr und werden in Mischkultur bepflanzt. Natürlicher Schädlingsschutz!
Lavendel schützen Rosen vor Läusen - das ist jedes Jahr erneut zu beobachten

Bei den Mehrjährigen habe ich eher das Problem – was funktioniert wo und wie verteidige ich es erfolgreich gegen die schleimigen Mitbewohner? Mein anfänglicher Plan ist bestimmt zu mehr als 50% nicht aufgegangen. Manche Pflanzen habe ich mehrfach ersetzt bis ich eingesehen habe, dass das einfach nichts wird. Andere, wie z.B. die Veilchen, fühlen sich so wohl, dass ich schon bald nicht mehr weiß wo hin mit ihnen. Im letzten Jahr habe ich einen neuen Versuch gestartet, die noch vorhandenen oder wieder entstandenen Lücken sinnvoll aufzufüllen. Sinnvoll im Sinn von insektenfreundlich, standortgeeignet, dauerhaft, lange Blütezeit bzw. mit abwechselnder Blüte über’s Jahr und schön. Viele Ansprüche die „meine“ Pflanzen erfüllen sollten. Ich bin gespannt ob mein Plan dieses Mal aufgeht…

Wenn der Garten mir eines beigebracht hat dann das, dass wir uns das Leben oft selbst schwer machen und dass man nicht alles glauben sollte was irgendwo geschrieben steht. Richte ich mich bei der Bepflanzung danach was zu unserem Boden und dem Klima passt und wähle dafür in erster Linie heimische Arten klappt es meistens deutlich besser und mit weniger Aufwand meinerseits als wenn ich einfach etwas setzte (wie anfangs) was mir gerade in die Nase passt. Zudem halten Pflanzen sich oft nicht an das, was über sie geschrieben wird. Zweijährige blühen oft schon im ersten Jahr, Einjährige sind im zweiten und dritten Jahr immer noch da. Pflanzen die nasse Füße wollen sähen sich plötzlich im Schotter aus – die Liste könnte man ewig weiter führen.

Daher – probiert aus! Nehmt Pflanzen-Beschreibungen als Richtlinien, aber nicht als Gesetz. Pflanzen lesen nicht und kümmern sich daher einen Feuchten um das, was wir Zweibeiner über sie schreiben. Und setzt heimische Pflanzen. Ihr erspart euch einige Fehlschläge, habt deutlich weniger Arbeit und tut eurer Umwelt ganz nebenbei etwas Gutes. 

** Kleiner Nachtrag zu den Winden... Die beiden, in Deutschland vorkommenden, Spiralhornbienen (Systropha) sind sogar von Winden abhängig. Sie sammeln Pollen ausschließlich an diesen Pflanzen. Da unsere Landschaft immer "aufgeräumter" wird und Winden allgemein eher als Unkraut gelten, werden diese Bienen immer seltener. Beide Arten gelten als stark gefährdet.
Auch wir hatten sie bei uns stark dezimiert und bisher immer im Auge behalten, damit sie nicht "überhand nehmen". Da wir aber (aufgrund unserer Wohngegend) die Chance haben, dass sich eine Spiralhornbiene auch einmal zu uns verirrt, werden wir den Winden wieder mehr Platz lassen.

Ein wilder Garten in Mischkultur, in dem sich Nützlinge wohl fühlen. Das ist naturnahes Gärtnern