Katzen im Garten
Ein schwieriges Thema über das sich viele Katzenhalter wahrscheinlich hervorragend streiten können… Ich möchte es aus unserer Sicht darstellen – was man darüber denkt kann jeder mit sich selbst ausmachen.
Vielleicht vorab – die zwei Kater kamen vor Daniel. Er musste sich also wohl oder übel mit ihnen abfinden 😉 Trotzdem wird uns beiden sicher etwas fehlen wenn sie irgendwann nicht mehr da sind.
Als ich sie bekam war an ein eigenes Haus inkl. Garten nicht zu denken. Sie waren absolute Wohnungskatzen. Auch ein Thema für sich was an dieser Stelle aber den Rahmen sprengen würde. Die ersten acht Jahre Ihres Lebens kannten sie also tatsächlich nur meine Wohnung und den Balkon. Mitten in der Stadt hätte ich sie um nichts in der Welt rausgelassen!
Dann kam irgendwann der Umzug und ihnen stand nicht nur drinnen mehr Platz zur Verfügung, nach ca. vier Wochen durften sie in den Hof und noch einmal ca. 14 Tage später auch nach hinten auf die Wiese und in den Garten. Ein riesen Vorteil, den wir haben – bei unseren Vorbesitzern durften die Hühner auf dem kompletten Grundstück rumrennen. Daher ist rund herum ein zwei Meter hoher Zaun. Und dank der Wohnungskatzen-Vorgeschichte haben die Zwei bis heute nicht geschnallt wie sie da drüber oder drunter durch kommen.
Relativ bald tauchten allerdings die ersten Situationen auf bei denen klar wurde: das geht so nicht. Zumindest nicht für uns! Ja, Katzen sind Jäger und alleine ihr Instinkt lässt sie schon allem hinterher gehen was sie interessiert. ABER – auch Katzen lassen sich ein Stück weit erziehen. Und wenn wir sie schon auf die kleine Tierwelt auf unserem Grundstück los lassen, dann haben wir auch die Verantwortung sie so gut wie möglich zu kontrollieren! Nicht ganz einfach, dass weiß man ja bei den Plüschterroristen, aber man kann definitiv etwas tun. Und wir sind beide der Meinung, dass auch jeder Katzenbesitzer dazu verpflichtet ist etwas zu tun. Hunde lässt man schließlich auch nicht unkontrolliert in der Gegend rumrennen…
Also, genug gewettert (ich könnte locker noch weiter machen) – zur Sache!
(Mauer-)Eidechsen
Hatten wir anfangs einige, dann nahm der Bestand ab und von denen die noch da waren, waren die Meisten ohne Schwanz. Nachdem wir die Kater verstärkt beobachteten war klar – die Eidechsen leben vor allem in der alten Wand zu unseren Nachbarn. Erst wurde die Wand mit einem kleinen Zaun in ca. 50cm Abstand „umzäunt“. Das war die reinste Schnapsidee – bringt nichts und wurde bald wieder entfernt.
Die Lösung war (ist) so einfach wie schön: Blumentöpfe! An jedem „Eidechsen-Hotspot“ haben wir eine Ansammlung verschiedenster Blumentöpfe und Kübel. Im Idealfall mit irgendwas struppigem (z.B. Andorn), Kräuter die Katzen nicht riechen mögen oder auch etwas dornigem (die Dornige Hauhechel ist z.B. super) bepflanzt. Das bietet den Eidechsen zusätzliche Versteckmöglichkeiten, im Sommer geflutete Untersetzer dienen als Trinkstelle und die Katzen kommen nicht mehr bis zur Wand.
Im Garten haben wir kleine Haufen aus Steinen, alten Ziegeln und Totholz angelegt. Sieht hübsch aus und auch hier kommen die Katzen wieder nicht nah genug dran. Gleiches gilt für unsere Schotterfläche. Hier gibt es ebenfalls kleine Steinhaufen und Totholz zum Unterschlüpfen. Zudem verstecken sie sich gerne unter den Bodendeckern. Den Quendel lieben sie dabei besonders.
Seid wir diese (wirklich super einfachen) Maßnahmen ergriffen haben ist der Eidechsenbestand deutlich gewachsen! Wir haben mehr als am Anfang (teilweise muss ich im Garten aufpassen, dass ich nicht auf sie drauf trete) und es kommt nur noch selten vor, dass wir eine ohne Schwanz sehen.
Vögel
Sind für unsere Beiden (zum Glück) nicht ganz so interessant wie Eidechsen, aber leider immer noch interessant genug, so dass wir etwas tun mussten. Und jetzt werden die Meinungen zu 100% auseinander gehen… Unsere Kater gehen nämlich ausschließlich mit Halsband und Glöckchen nach draußen. Nackig bleiben sie drin!
Die Halsbänder haben einen Sicherheitsverschluss, so dass sie sich nicht strangulieren können falls sie irgendwo hängen bleiben. Hatten wir schon – funktioniert gut. Ab und zu verlieren sie das Halsband auch, aber da sie nur auf unserem Grundstück sind gehen wir dann eben auf die Suche und sammeln das Kettchen wieder ein. Aber selbst wenn der Zaun nicht da wäre würden sie bei uns nicht ohne Halsband raus gehen. So oft verlieren sie es nicht und selbst wenn, die Dinger kosten kein Vermögen.
Die Glöckchen sammeln wir entweder von den obligatorischen Schokohasen oder wir haben auch schon welche im Bastelbedarf bestellt. Und ganz ehrlich: es stört sie nicht! Daniel hatte Anfangs auch Bedenken wegen dem empfindlichen Gehör der Katzen. Als wir ihnen das erste Mal die Glöckchen dran machten passierte: nichts! Kein Zucken, keine Irritation, keine Reaktion an der man bemerkt hätte, dass es sie stört. Und wir kennen die Beiden gut! Sie sind nicht nur Beiwerk das gefüttert und beschmust wird. Es sind zwei Lebewesen die zu uns gehören – vollwertige Mitglieder unserer kleinen WG 😊
Zudem vielleicht einmal etwas zum Nachdenken... Was ist mit dem typischen Alltagslärm? Wie z.B. Rasenmäher, diverse Werkzeuge, Musik, Fernseh, etc. - alles in einer Lautstärke, die für Katzenohren mit Sicherheit unangenehm sein sollte. Oder noch viel besser: Sylvesterknaller!? Ich möchte gar nicht wissen wie viele "Tierfreunde" es gibt, die bei Glöckchen am Katzenhalsband Schnappatmung bekommen, aber an Sylvester fleißig Böller in die Luft jagen.
Ausserdem haben wir Ihnen pinke Bänder an die Halsbänder genäht. Vögel nehmen die Farbe Rot gut war, wir hofften, dass das zusätzlich helfen würde. Die Glöckchen hört man nämlich tatsächlich nur wenn die Kater rennen. Im normalen Gang oder auch beim Schleichen „bimmeln“ die Dinger nicht.
Als letzte Maßnahme hat bei uns jeder Baum, in dem ein Nistkasten hängt, einen sogenannten "Katzenabwehrgürtel" bekommen. Wobei wir schon festgestellt haben, dass unser "Kleiner" (der deutlich wendiger, klüger und dickköpfiger ist als der "Dicke") da auch drüber kommt wenn er es will.
Was davon jetzt wie gut geholfen hat können wir nicht genau sagen. Tatsache ist aber – wir haben seither keinen toten Vogel mehr bei uns gefunden, der auf das Katzenkonto geht.
* Noch ein kleiner Nachtrag den ich vergessen hatte... Wenn wir flügge Jungvögel im Garten haben, bleiben unsere Kater drin! Nein, es passt ihnen nicht und ja, sie machen Radau und zwar den ganzen Tag. Das muss man dann eben aushalten können.
Blindschleichen
Hier können wir leider nicht viel tun. Aber ein bisschen was: die Dämmerung ist für unsere Knallerbsen tabu! Da sind die Schleichen nämlich meist aktiv. Wir lassen die Kater daher erst am Vormittag raus (frühestens so ab ca. 9/10 Uhr, davon profitieren auch die Vögel) und holen sie Abends vor der Dämmerung wieder rein. Das klappt eigentlich ganz gut.
Für alle unserer „wilden“ Mitbewohner gilt – meistens gehen unsere Felle nur raus wenn wir daheim sind. Und dann haben wir sie so gut wie möglich im Auge. Wenn wir mitbekommen, dass sie etwas jagen (egal was) rufen wir sie bzw. je nach Abstand wird auch mal ein Schrei los gelassen. Sie wissen genau, dass sie nicht jagen dürfen und lassen das dann auch. Klar – bis wir uns wieder umdrehen…
Aber es hilft in jedem Fall dem anvisierten Tier zu entkommen und die Kater wissen, dass wir sie beobachten. Jagen sie tatsächlich einmal etwas und wir bekommen das in dem Moment mit in dem sie ihr Opfer gefasst haben gibt es Hausarrest für den Rest vom Tag (auch hier werden sicher ein paar Leser die Köpfe schütteln). Sowas nennt man Erziehung und ja, das funktioniert in einem gewissen Grad auch bei Katzen!
Nur ein kleines Beispiel zum Abschluss: Wir saßen letztes Jahr auf unserer Terrassen-Baustelle. Einer unserer Kater (wie meistens) mir zu Füßen. Ca. zwei Meter neben uns tauchte eine Eidechse an der Mauer auf. Wir alle drei habe sie gesehen. Das Katerchen wurde zuerst stocksteif, dann drehte er sich um und schaute mich an. Alleine der Blickwechsel hat gereicht, dass er genau da blieb wo er war, ich musste nichts sagen. Klar – es hat ihm absolut nicht gepasst. Seine Körperhaltung sprach Bände und er hat mich angemotzt. Mit Sicherheit hat er mir ein ganzes Repertoire an Schimpfwörtern an den Kopf geworfen. Darf er gerne machen solange er die Eidechse in Ruhe lässt.
Und mal ehrlich – diese Maßnahmen schaden ihnen nicht! Sie bekommen bei uns ausreichend zu futtern, so dass sie nicht jagen müssen (wie die meisten Katzen). Sie werden nicht gequält oder misshandelt, im Gegenteil. Sie haben sich einzig und alleine an ein paar Regeln zu halten. So wie (eigentlich alle) anderen Lebewesen auch!
Katzen sind hoch intelligent und wissen, unmittelbar dabei / danach und teilweise auch noch etwas später, ganz genau was sie gerade tun bzw. auch was sie dürfen oder nicht. Man muss nur überhaupt einmal anfangen sie zu erziehen!
Also ihr Lieben… Man kann die Umwelt auch in einem gewissen Mass vor den Stubentigern schützen. Man muss nur wollen und ein bisschen nach Möglichkeiten suchen.
Aber im Endeffekt wird es auch für uns heissen – wenn unsere zwei Kater irgendwann nicht mehr da sind, werden wir ein katzenfreier Haushalt. Das ist immer noch das Effektivste! Alleine in direkter Nachbarschaft haben wir (unsere mit eingerechnet) ca. neun Katzen! Und ausser uns interessiert es leider keinen, was die Fellnasen so anstellen...