Die bewohnerfreundliche Gartengestaltung

(Teil zwei - Nahrungsquellen) 

 

 

Auch dieser Punkt ist zu umfangreich um ihn komplett so zu beschreiben, dass innerhalb dieses Artikels alle Fragen beseitigt werden. Ich werde aber versuchen die Grundlagen soweit abzudecken, dass alle tiefer gehenden Informationen einfach zu finden oder, mit ein bisschen logischem Denken, selbsterklärend sind.

  • Nüsse, Körner und Sämereien verbindet man vor allem mit Vögeln und evtl. Eichhörnchen. Es gibt aber auch samenfressende Insekten, die fallen nur nicht so auf und gelten meist als „Schädlinge“...


Mal kurz zwischendurch - ich mag das Wort nicht. Die Einteilung in Nützlinge und Schädlinge ist menschgemacht. Die Natur kennt keine Schädlinge, hier greif ein Rädchen in’s Andere. Alles hat seinen Sinn und Zweck. Wenn der Homo Sapiens das irgendwann einmal begreifen und nicht immer alles durcheinanderbringen würde, dann gäbe es auch keinen Grund ein Lebewesen als „Schädling“ zu bezeichnen. Der einzige wirkliche Schädling auf diesem Planeten sind derzeit wir selbst!
Zurück zum Thema…

Ich erwarte von keinem, dass er seinen Garten in ein Getreidefeld umwandelt, aber es fängt mal wieder bei der Wiesenmahd an. Lasst die Pflanzen lange genug stehen um Samen zu bilden! Ihr erhaltet und unterstützt die Vielfalt eurer Wiese und sorgt dafür, dass manch Tierchen sich seine Samen holen kann. Z.B. von Löwenzahn, Wiesenbocksbart, diversen Gräsern, Disteln… 

Samen der Eselsdistel. Durch den kleinen "Fallschirm" können die Samen meterweit vom Wind getragen werden.
Eine artenreiche Wiese ist Lebensraum und Nahrungsquelle zugleich
Sonnenblumenkopfe dienen während der Blüte als Insektenfutter und nach der Blüte als Vogelfutter

 

Wenn ihr einen hohen Staudensaum oder auch solitär stehende, hoch wachsende Disteln, Sonnenblumen, Königskerzen, etc. anlegt/pflanzt könnt (solltet – erinnert euch an die Nistgelegenheiten in markhaltigen Stängeln) ihr diese stehen lassen. Gerade Distelsamen sind sehr fett- und proteinhaltig und dadurch beliebt bei Vögeln. 

Solltet ihr genügend Platz für einen Nussbaum oder eine Hecke haben, könnt ihr natürlich auch z.B. eine Walnuss oder (für die Hecke) eine Hasel setzen.
 

Ansonsten bleibt natürlich immer die Möglichkeit der Fütterung mit geeignetem Futter. Auch hier – bitte ein kleines bisschen informieren. Nicht jedes Futter im Handel ist auch sinnvoll.
 

  • Obst und Beeren sind ein weiterer Punkt auf der Liste. Und sicherlich am Einfachsten bereit zu stellen. Das fängt bei den kleinen Walderdbeeren als Bodendecker an, über verschiedene Beerensträucher, Rosen (die Hagebutten) bis hin zu den Obstbäumen.


Und für alle die jetzt gestolpert sind – ja ich weiss, Erdbeeren und die Hagebutten gehören botanisch nicht zu den Beeren sondern zu den Sammelnussfrüchten. Aber sie sind rot und haben keine harte Schale. Die meisten Menschen (und ich wider besseren Wissens auch) verbinden sie daher eher mit Früchten und deshalb passen sie besser zu diesem Punkt.

Es gibt auch mehr als genug beerentragende Gehölze die sich in Hecken integrieren lassen. Einige habe ich bei den Beispielen für Hecken im ersten Teil mit aufgezählt. Lasst euren Garten-Mitbewohnern einfach ein Bisschen was hängen (oder Heruntergefallenes liegen), sie finden und ernten es selbst. 

Früchte der schwarzen Maulbeere - Morus nigra. Früher ein wichtiges und gängiges Obstgehölz
Holunderbeeren und Wilde Karde - beides Nahrungsquelle für viele Lebewesen
Birnen - sowohl am Baum als auch als Fallobst am Boden interessant für viele Insekten

 

  • Jetzt der schwierigste Punkt – Pollen und Nektar. Schwierig deshalb, weil es viele Insekten gibt die auf bestimmte Pflanzen(familien) spezialisiert sind. Vor allem Wildbienen sammeln ihren Pollen, den sie zum größten Teil für ihre Larven benötigen, nur an genau diesen Pflanzen. (Auch hierauf detailliert einzugehen würde den Rahmen sprengen. Es gibt tatsächlich Bücher darüber.) Beim Nektar sind die Meisten nicht so heikel, den holen sie sich wo auch immer sie ihn bekommen können. Aber bei der „Babynahrung“ verstehen sie keinen Spaß.


Dass es sich dabei ausschließlich um heimische Pflanzen handelt, versteht sich eigentlich von selbst!? Pflanzen und Insekten haben sich parallel zueinander und miteinander entwickelt, sie sind sozusagen "miteinander aufgewachsen". Es ist also (hoffentlich) überflüssig zu erwähnen, dass ein mitteleuropäisches Insekt nichts mit dem Pollen einer südamerikanischen oder asiatischen Pflanze anfangen kann… 

Was wiederum nicht heißen soll, dass ihr jetzt alle Exoten raus reißen sollt! Es gibt auch nicht heimische Arten die fleißig von Insekten besucht werden, weil sie sehr viel Nektar bereit stellen. Zudem darf auch die eine oder andere Pflanze in den Garten einfach nur, weil man sie selbst schön findet. Aber zurück zum Futter…

Wie trefft ihr die richtige Entscheidung bei der Auswahl der Pflanzen? Die schwierige Frage relativ einfach beantwortet: Schaut was bei euch heimisch ist! 

Ihr werdet nicht sämtliche Arten glücklich machen können. Dafür bräuchten wir alle Gärten mit Flächen von Parks. Aber wenn jeder in seinem Garten in erster Linie heimische Arten setzen würde wäre unserer Tierwelt schon ein gutes Stück geholfen. 

Anthidium nanum ist spezialisiert auf Korbblütler, bevorzugt Disteln.
Ein Weibchen der Gelbbindigen Furchenbiene. Sie ist polylektisch - also nicht spezialisiert.
Hoplitis adunca, die Natternkopf-Mauerbiene. Sie sammelt ihren Pollen ausschließlich an Echium vulgare

   

  • Noch etwas, dass für die nektar- und pollenfressenden Mitbewohner existenziell wichtig ist. Das sogenannte „Trachtfließband“!


Von Anfang/Mitte Februar bis in den November hinein sollte in eurem Garten etwas für sie zu holen sein! Zumindest gilt das für unseren Garten in Süddeutschland, nach dem was wir schon beobachtet haben. Je nachdem wo ihr wohnt ist diese Zeitspanne eventuell kürzer oder verschiebt sich. 

Wenn nichts blüht (auch hier schreibe ich nicht über Exoten!) finden die darauf angewiesenen Insekten keine Nahrung. Vor allem im zeitigen Frühjahr und im Herbst ist das wichtig. 

 

Nehmen wir als frühes Beispiel die Wiesenhummel. Ihre Jungköniginnen sind schon ab Mitte Februar (mit dem Klimawandel evtl. auch schon früher) unterwegs. Ihre erste „Amtshandlung“ ist es, sich zu stärken. Nur wenn sie selbst kräftig genug sind, können sie anfangen einen Staat auf zu bauen. Finden sie keine Nahrung, sterben sie – einfache Schlussfolgerung. 

Spätes Beispiel – die Ackerhummel. Ihre Völker können bis in den November hinein bestehen. Das klappt aber auch hier nur, wenn sie genügen Nahrung finden! 

Auch die Jungköniginnen, welche im Herbst schlüpfen müssen sich für die Überwinterung stärken. Wie ein Bär der sich für den Winterschlaf Speck anfrisst. Ansonsten hat sie keine Chance bis zum Frühjahr durch zu kommen.

Wenn man sich mit dem Thema noch nicht intensiv  beschäftigt hat ist das gar nicht so einfach… Daher ein paar Beispiele. 

Heimische Frühblüher: Winterling, Huflattich, Stinkende Nieswurz, Christrose, Adonisröschen, Leberblümchen, Krokus, Lungenkraut, Duftveilchen, Kuhschelle, Schlüsselblume, Wildtulpen, Sumpfdotterblume, Taubnesseln, Bärlauch, Akelei, Berg-Flockenblume

Spät blühende Pflanzen, Dauerblüher oder remontierende Pflanzen: Storchschnabel, Löwenzahn, Schwarznessel, Blutweiderich, Blauer Eisenhut, Boretsch, Natternkopf, Fingerhut, Hohlzahn, Hornklee, Jakobs-Greiskraut, Rot- und Weißklee, Astern, Herbstzeitlose, Gelbe Skabiose, viele Ziest-Arten, Knolliges Mädesüß, Katzenminze, Löwenmäulchen 


Wichtig ist aber auch, dass das "Trachtfließband" nicht unterbrochen wird. Also bitte jetzt nicht NUR auf Früh- und Spätblüher achten. Wenn die Frühblüher durch sind und die Spätblüher noch nicht anfangen, haben eure Insekten ebenfalls ein Problem! Es muss wirklich durchgehend etwas zum Futtern da sein. Und mal ganz nebenbei - das macht den Garten auch für uns um so schöner.

Pulsatilla vulgaris gehört zu den bedrohten, heimischen Pflanzenarten
Eine Schmalbiene im Krokus. Gerade im frühen Frühjahr ist es sehr wichtig, dass Blüten mit viel Nektar vorhanden sind.
Der Hornklee - eine der wichtigsten Pflanzen für unsere heimischen Insekten

 

  • Wenn ihr es geschafft habt die „Vegetarier“ zu versorgen, dann freut sich der Rest automatisch und bevölkert euren Garten von selbst. Wobei die Übergänge von pflanzlicher zu fleischhaltiger Ernährung in der Natur meist so wie so fliesend sind.


Ich hoffe ich habe niemanden vergessen, habe alles richtig und verständlich ge- bzw. beschrieben und der Beitrag war nicht zu lang!?

Über eine bewohnerfreundliche Gartengestaltung könnte ich mich stundenlang auslassen, da es für viele anscheinend wirklich schwierig umzusetzen ist – wobei das Thema doch eigentlich so einfach und kurz erklärt wäre: Schaut einfach wie die Abläufe in der Natur sind. Beobachtet und versucht es auf eure Weise nach zu ahmen / um zu setzen. 

Viele stellen sich unter einem naturnahen Garten ein verwildertes Grundstück vor. Kann man machen, muss man aber nicht. Ein naturnaher Garten muss einfach nur sinnvoll, in Anlehnung an die Natur angelegt werden – das kann durchaus auch mit „Stil“ passieren. Gestaltet ihn wie es euch gefällt! Wichtig ist nur, dass ihr der Natur Raum gebt. Lebendig wird euer Garten dann von selbst.

Schottergarten muss keine Einöde sein! Man kann ihn bepflanzen, dafür benötigt es Feinanteile bis hin zum Sand.