Hummeln
Ich versuche mich diesmal an einem Thema, das uns beiden sehr am Herzen liegt. Aufgrund der, wirklich unglaublichen, Menge an Informationen und Erkenntnissen die es schon zu Hummeln gibt muss/werde/möchte ich mich auf das Wesentliche beschränken und versuche die Entwicklung eines Hummelvolkes ein bisschen nach dem Jahresablauf zu strukturieren.
Im Anschluss gibt es noch eine kurze Beschreibung zur Lebensart der Kuckuckshummeln und – da es uns ja vor allem darum geht die Tiere zu unterstützen – einen Überblick zu den wichtigsten Trachtpflanzen.
Wer sich eingehender mit Hummeln beschäftigen möchte findet am Ende auch noch die Quellenangaben und weitere Links bzw. Buchtipps.
Januar
Wenn alles so ist wie es sein soll, schnarchen die Jungköniginnen noch in ihren Winterverstecken. Hummeln überwintern meist eingegraben in der Erde, bis in Tiefen von 25cm wurden schon schlafende Königinnen gefunden. Teilweise reichen ihnen aber auch z.B. Hohlräume unter Wurzeln oder in Mauerritzen. Allen Verstecken gemeinsam ist jedoch, dass sie in der Regel schattig liegen. So erwärmen sich diese Plätze (normalerweise*) durch die Wintersonne nicht übermäßig und die Hummeln werden nicht zu früh geweckt.
*Normalerweise… Leider passiert es immer häufiger, dass unsere Winter allg. zu mild sind und die Königinnen zu früh erwachen. So früh im Jahr fehlt jedoch meist die nötige Nahrung, wodurch die Gefahr hoch ist, dass viele Hummeln verhungern.
Februar
Je nach Hummelart erwachen sie ab einer Bodentemperatur von ca. 5-9°C, gemessen in 20cm Tiefe. Was in verschiedenen Regionen schon ende Februar der Fall sein kann. Die Erste die wir zu sehen bekommen ist meist die Wiesenhummel, weshalb sie in GB auch „The Early Bumblebee“ genannt wird.
März
Im Lauf dieses Monates schlüpfen die Meisten der „fliegenden Teddys“ aus ihren Überwinterungsverstecken. Als Erstes wärmen sich die Hummeln in der Sonne etwas auf, dann starten sie zur nächst gelegenen Nektarquelle. Wie ein Bär im Winter, verbrauchen auch Hummeln einen Großteil ihres Energievorrates, der muss nun erst einmal wieder aufgefüllt werden. Einige Tage später beginnt schon die Suche nach einem geeigneten Plätzchen zur Nestgründung. Man kann die Königinnen dann gut beobachten wie sie im langsamen Suchflug unterwegs sind.
April
In der Regel sind nun auch die Langschläferinnen wach, immer ein bisschen abhängig von Wetter und Region. Die meisten Königinnen sind nun auf Nistplatzsuche, eventuell hat auch die ein oder andere früh erwachte Jungkönigin schon einen geeigneten Platz gefunden.
Ganz grob kann man die Nester der Hummeln in unterirdisch (in Mäuselöchern), oberirdisch (in der Krautschicht von Wiesen) oder erhöht (z.B. in Vogelnestern bzw. Nistkästen, unter Dächern) einteilen. Abhängig von der jeweiligen Art werden verschiedene Standorte bevorzugt.
Übrigens - stellt euch ein Hummelnest bitte nicht wie einen Bienenstock vor! Sie benötigen einen trockenen Hohlraum in dem sich bereits geeignetes Nistmaterial wie Moos, Laub und Tierhaare befindet. Dieses Nistmaterial wird von der Königin zu einer schönen, festen Kugel verflochten in der dann das Nest entstehen kann. Auch bauen Hummeln keine Waben, sondern sogenannte Tönnchen.
Mai & Juni
Ein paar späte Königinnen sind auch im Mai und Juni noch auf der Suche, die Meisten haben nun aber schon ein Nest gefunden und sind mit der Gründung ihres Volkes beschäftigt. Anfangs ist die Königin noch alleine und muss sich selbst um alles kümmern. Heisst in Kurzform: Futtervorrat aus Nektar und Pollen wird gesammelt, die ersten Eier werden gelegt, die Königin bebrütet diese Eier aktiv bis nach ca. drei bis vier Tagen die ersten Arbeiterinnen-Larven schlüpfen, welche nun von der Mutter gefüttert werden. Im Alter von ca. 8 bis 13 Tagen spinnen sich die Larven einen Kokon aus dem, nach noch einmal bis zu 10 Tagen, die ersten Arbeiterinnen schlüpfen. Innerhalb dieser ganzen Zeit ist die Königin auf sich gestellt! Sie kümmert sich nicht nur um die Eier bzw. Larven, sondern muss auch weiterhin den Nahrungsvorrat aufrecht erhalten. Erst wenn die ersten Arbeiterinnen voll entwickelt sind, kann sich die Königin langsam von einzelnen Arbeiten zurück ziehen. Sobald genügend Arbeiterinnen zur Verfügung stehen, kann sie sich dann voll auf das Eier legen und die Pflege der Brut konzentrieren. Wobei sie auch bei der Brutpflege Hilfe von einigen Arbeiterinnen hat.
Die ersten Arbeiterinnen sind noch relativ klein (wir bezeichnen sie meist als fliegende „Knöpfchen“), das ändert sich jedoch mit zunehmender Größe der Völker. Mehr Arbeiterinnen heisst auch mehr Nahrung und umfangreichere Brutpflege, wodurch die später schlüpfenden Hummeln wieder etwas größer werden.
Juni bis ca. Oktober
Ja, der „letzte“ Punkt ist mit fünf Monaten recht lang. Grund – jetzt kommt es wirklich darauf an um welche Hummelart es geht und wann das Nest gegründet wurde. Die Größe eines solchen Hummelstaates schwankt zwischen ca. 50 (z.B. bei der Obsthummel) und 600 Tieren (z.B. Dunkle Erdhummel).
Hat das Hummelvolk genügend Arbeiterinnen hervorgebracht wird es Zeit die Grundlage für das nächste Hummeljahr zu schaffen. Nun werden Eier gelegt aus denen Drohnen (Männchen) und Jungköniginnen schlüpfen. Drohnen schlüpfen aus unbefruchteten Eiern die sowohl die Königin als aber auch Arbeiterinnen legen können (dazu ein kleiner Tipp am Ende des Artikels). Für Jungköniginnen ist mehr nötig… Die Altkönigin kann hierfür die Hormonproduktion erhöhen, zudem braucht es eine ausreichende Erwärmung der Eier beim Brüten als auch ein vielfältiges Nahrungsangebot (Pollen aus verschiedensten Blüten) bei der Aufzucht der Larven.
Mit dem Schlupf der „Geschlechtstiere“ ist normalerweise auch der Höhepunkt des Volkes erreicht und die Königin hört auf Eier zu legen. Den Anfang vom Ende macht auch hier oft die Wiesenhummel, am Längsten schafft es meist die Ackerhummel deren Völker bis Oktober durchhalten können. Sowohl Altkönigin als auch Arbeiterinnen sterben nun nach und nach.
Drohnen haben im Hummelstaat nur einen Zweck: die Begattung der Jungköniginnen. Nachdem eine Jungkönigin sich (am Besten mit verschiedenen Drohnen) gepaart hat, frisst sie sich ein Fettpolster an und sucht sich anschließend ein geeignetes Quartier zur Überwinterung. Was bei den frühen Arten durchaus schon im August sein kann.
Kuckuckshummeln
Der Name ist Programm – sie legt ihre Eier in fremde Nester, genau wie ihr Namensvetter. Die Kuckuckshummeln sind nicht mehr im Stande eigene Völker auf zu bauen. Ihnen fehlen sowohl die nötigen „Vorrichtungen“ um Pollen zu sammeln als auch um Wachs zu produzieren.
Es sind zehn Kuckuckshummeln in Deutschland bekannt von denen jede eine andere Hummelart parasitiert. Oft sehen sie ihren Wirtshummeln, auf den ersten Blick, sehr ähnlich. Angelockt werden sie vom Geruch der jeweiligen Hummelnester.
Kuckuckshummeln sind etwas später unterwegs, da ein Volk welches von ihnen gekapert wird schon eine gewisse Größe haben sollte. Ist das ausgewählte Volk noch zu klein, verlassen sie das Nest wieder um entweder ein anderes Wirtsvolk zu suchen oder eventuell später zurück zu kommen. Die eigentliche „Übernahme“ sieht wie folgt aus…
Die Kuckuckshummel-Königin krabbelt in das Nest des entsprechenden Wirtsvolkes. Ist das Volk entsprechend groß genug, versteckt sie sich meist erst einmal um den Geruch an zu nehmen. Damit können* Auseinandersetzungen mit den Hummeln (sowohl Königin als auch Arbeiterinnen) vermieden werden. Hat die Kuckuckshummel Erfolg beginnt sie, die vorhandenen Brutzellen aufzubeißen und die darin befindlichen Eier auf zu fressen. Aus dem nun vorhandenen Wachs und Pollen formt sie eine neue Zelle, die für ihre eigene Brut geeignet ist. Dahinein legt sie ihre Eier, die dann wiederum von ihr selbst, den Arbeiterinnen sowie auch von der Hummelkönigin ausgebrütet werden. Aus diesen Eiern schlüpfen jedoch ausschließlich Jungköniginnen und Drohnen. Es gibt keine Arbeiterinnen der Kuckuckshummeln! Der Kuckuckshummelnachwuchs wird von den Arbeiterinnen des Wirtsvolkes versorgt.
Eine Kuckuckshummel bleibt jedoch, auch wenn die Übernahme friedlich passiert, nicht unbemerkt. Parallel zur Eiablage der Kuckuckshummel beginnt auch die eigentliche Hummelkönigin Eier für Drohnen und Jungköniginnen zu legen, um so den Fortbestand ihrer Art zu sichern. Die Völker sterben in einem solchen Fall also früher, sorgen aber noch für die Entwicklung von Geschlechtstieren.
*Wenn ich über Kuckuckshummeln nachlese fällt mir auf, dass es ganz oft heisst, die Kuckuckshummelkönig sticht die Hummelkönigin tot. Das ist einfach nur verallgemeinert und (wie ich finde) unfair, was mir gegen den Strich geht – außerdem wirft es ein falsches Licht auf die Kuckuckshummeln. Für mich entsteht oft der Eindruck, dass die Kuckuckshummel nichts Besseres zu tun hat, als in das Nest zu trampeln, sich auf die Königin zu stürzen und diese um zu bringen... Ja, es kann zu Stechereien kommen bei denen meist die Kuckuckshummel als Siegerin hervor geht. Alleine aufgrund ihrer Größe und ihrem Körperbau hat sie hier einige Vorteile. Das muss aber nicht sein! Es kommt auch vor, dass die Kuckuckshummel (aufgrund der zahlenmäßigen Übermacht des Wirtsvolkes) den Kürzeren zieht. Meist versucht sie jedoch sich ein zu schleichen um solche Auseinandersetzungen zu vermeiden.
Trachtpflanzen
Vorab vielleicht zwei Infos für diejenigen, die sich noch nicht so intensiv mit den Nahrungsquellen auseinander gesetzt haben.
Das Wörtchen „Trachtpflanzen“ bezeichnet vor allem Pflanzen die von Insekten, zur Nektar und Pollenaufnahme, bevorzugt angeflogen werden. Meist sind das Blühpflanzen die entweder Nektar oder Pollen oder sogar beides, in größerer Menge zur Verfügung stellen. Das sammeln von Nahrung kostet Energie, je schneller man sein Futter also beisammen hat umso besser. Logisch, oder!?
Dann werdet ihr immer wieder einmal über die Wörter „Tracht(fließ)band“ oder auch „Trachtpflanzenkette“ stolpern. Diese beschreiben nichts Anderes, als die Folge der Trachtpflanzen über das Jahr verteilt. Nur wenn das Trachtband nicht abreißt, also immer Nahrung zur Verfügung steht, ist eine gute Entwicklung und das Überleben der Insekten (die sich von Blühpflanzen ernähren) gesichert. Gibt es zu wenig Nahrung oder reißt das Trachtband evtl. sogar ab (Trachtlücke), verhungern unsere Mitbewohner.
Und aus eigener Erfahrung kann ich sagen – es ist (zumindest Anfangs) gar nicht so einfach dieses Trachtband, auch noch in einer entsprechenden Menge, aufrecht zu erhalten. Daher ein paar Tipps die sich vor allem an den Hummeln orientieren, genau so aber von vielen anderen Insekten gerne angeflogen werden…
Januar bis März
Christrosen, Schneeheide, Duft-Schneeball, Winterling, Frühlings-Alpenveilchen, Huflattich, Krokus, Leberblümchen, Buschwindröschen, Scharbockskraut, Echtes Lungenkraut, Kuhschelle, Schlüsselblumen, Hohler Lerchensporn, Beinwell, Gundermann, Johannisbeeren, Weide
April bis Juni
Leberblümchen, Krokus, Buschwindröschen, Scharbockskraut, Echtes Lungenkraut, Kuhschelle, Frühlings-Platterbse, Wald-Sauerklee, Schlüsselblumen, Hohler Lerchensporn, Taubnesseln, Purpurblauer Steinsame, Bärlauch, Akelei, Tränendes Herz, Flockenblumen, Schwarznessel, Herzgespann, Blauer- und Wolfs-Eisenhut, Blutweiderich, Roter Fingerhut, Großblütiger Fingerhut, Hohlzahn, Schöllkraut, Löwenzahn, Beinwell, Gundermann, Johannisbeeren, Weide, Schneeheide, Frühlings-Platterbse, Schnittlauch, Salomonssiegel, Gemeine Pfingstrose, Diptam, Sumpfschwertlilie, Glockenblumen, Giersch, Boretsch, Natternkopf, Hundszunge, Ochsenzunge, Wiesensalbei, Klappertopf, Hornklee, Rot- und Weißklee*, Kriechender Günsel, Gundermann, Astern, Ziest-Arten, Weißdorn, Esparsette, Hauhechel, Knautien
Juli bis September
Taubnesseln, Schnittlauch, Flockenblumen, Lupinen, Garten-Löwenmäulchen, Glockenblumen, Schöllkraut, Giersch, Schwarznessel, Herzgespann, Blauer- und Wolfs-Eisenhut, Blutweiderich, Boretsch, Natternkopf, Hundszunge, Ochsenzunge, Schmalblättriges Weidenröschen, Roter Fingerhut, Großblütiger Fingerhut, Hohlzahn, Wiesensalbei, Klappertopf, Gemeiner Wundklee, Hornklee, Jakobs-Greiskraut, Rot- und Weißklee*, Kriechender Günsel, Braunellen, Astern, Ziest-Arten, Wirbeldost, Wilde Karde, Esparsette, Hauhechel, Skabiosen, Lavendel, Heidekraut, Knautien, Herbst-Alpenveilchen, Herbstzeitlose
Oktober bis Dezember
Taubnesseln, Flockenblumen, Blauer Eisenhut, Boretsch, Jakobs-Greiskraut, Rotklee, Herbst-Alpenveilchen, Herbstzeitlose, Astern, Ziest-Arten, Wirbeldost, Skabiosen, Heidekraut, Knautien, Duft-Schneeball, Schneeheide
*Ein kleiner Hinweis zum Weißklee... Sein gezielter Einsatz ist umstritten, da er zum Wuchern neigen kann! Wenn er sich zu wohl fühlt verdrängt er andere Pflanzen und reichert den Boden außerdem, durch eine Symbiose die er mit bestimmten Bakterien eingeht, mit Stickstoff an. Er sorgt also dafür das eure Böden "fetter" werden, was im Naturgarten meist nicht erwünscht ist.
So ihr Lieben… Wenn ihr bis hierhin durchgehalten habt und immer noch mehr Informationen braucht bzw. möchtet – jetzt kommen die Links, Buchtipps und Quellenangaben.
Links
Ein tolles Forum inkl. viel Hintergrundwissen in dem sich (fast) alles um die Hummel dreht
https://aktion-hummelschutz.de/
Sehr gute Site sowohl mit Grundlagen- als auch aktuellem Wissen zu den fliegenden Teddys
Buchtipps
Hummeln bestimmen, ansiedeln, vermehren, schützen / Eberhard v. Hagen und Ambros Aichhorn / Fauna Verlag / ISBN 978-3-935980-32-6
Feldbestimmungsschlüssel für die Hummeln Deutschlands, Österreichs und der Schweiz / Joseph F. Gokcezade, Barbara-Amina Gereben-Krenn und Johann Neumayer / Quelle & Meyer Verlag Wiebelsheim / ISBN 978-3-494-01787-7
Und sie fliegt doch / Dave Goulson / Ullstein Buchverlage / ISBN 978-3-548-61281-2
Das Summen in der Wiese / Dave Goulson / Ullstein Buchverlage / ISBN 978-3-548-37750-6
Und wer sich dafür interessiert wie Hummeln die Befruchtung der Eier steuern können (was tatsächlich faszinierend ist!), dem kann ich folgendes Buch empfehlen:
Weltmacht auf sechs Beinen / Susanne Foitzik und Olaf Fritsche / Rowohlt Verlag /
ISBN 978-3-498-02140-5
Nicht wundern – hier geht’s um Ameisen, ist aber das gleiche Prinzip.
Wirklich zitiert oder abgeschrieben wurde nichts, jedoch stammt das zusammengetragene Wissen vor allem…
…aus dem Buch Hummeln bestimmen, ansiedeln, vermehren, schützen / Eberhard v. Hagen und Ambros
…aus dem Hummel-Forum https://pollenhoeschen.de/
…und ein kleines Bisschen von https://aktion-hummelschutz.de/
Und ja – auch aus eigenen Beobachtungen.